Inspiriert von Star Wars

Auch Benediktinermönche gehen ins Kino. P. Bernhard erzählt, wie er seit seiner Jugend Star Wars erlebt.Tausende sind in den Weihnachtsferien wieder in die Kinos gepilgert, vor allem junge Menschen. Und ich einmal unter ihnen, zur neuesten Folge von Star Wars. Gerne schaue ich mir Filme an und bin oft erstaunt, wie sie zum Denken anregen und unseren Horizont erweitern. Zugleich lese ich in freien Stunden Shakespeare – auch die Literatur entwirft Bilder, die zeigen, dass unsere sichtbare Welt überstiegen wird von viel Größerem. Da erscheint der ermordete Vater dem Hamlet, woraufhin dieser formuliert: „There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy.“ – Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als du dir in deiner Philosophie, in deiner Lebensanschauung vorstellen kannst, Horatio!

Nun leben wir über 400 Jahre nach Shakespeare in einer Welt, in der es auf das krude Hier und Jetzt ankommt. „Es gibt doch nur, was sich mit den Sinnen feststellen und für alle nachvollziehbar beobachten lässt!“ Genau in diese Weltanschauung hinein sprechen Menschen, deren Köpfe anders ticken und die mit dem Herzen tiefer schauen. Ihre Sicht der Dinge schlägt sich nieder in Literatur, Kunst und Film. Einer von ihnen ist George Lucas, 1944 in Kalifornien geboren. Schon als Jugendlicher habe ich mit meinen Schulkameraden gesehen: Krieg der Sterne, Das Imperium schlägt zurück, Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Ich war fasziniert von den Welten jenseits unserer Welt. Ja, George Lucas verstand es, einen fiktionalen Kosmos zu kreieren, der einem kalten Rationalismus entgegensteht und zutiefst menschliche Erfahrungen in einer imaginären Zukunft abhandelt.

Deshalb die Welle der Begeisterung über Star Wars, der auch ich in den 1980er Jahren erlegen bin. Wie viel sich George Lucas bei Star Wars gedacht hat, bekam ich erst im Studium in den 90er Jahren mit, als ich ein Interview von ihm las. Mittlerweile war ich auf die alternative Kinoszene umgestiegen, schaute vor allem Filme aus den USA, Frankreich und Italien in ihrer Originalfassung, die meisten der spärlichen Kinobesucher waren älter als ich. Die zweite Trilogie von 1999 bis 2005 bekam ich nicht mit; ich war mittlerweile im Kloster und ging nur noch vereinzelt ins Kino, schon gar nicht zu solchen Massenfilmen.

Jetzt war ich wieder im Kinosaal bei Star Wars, mit einem Mitbruder und seinen Ministranten. Jahrzehnte trennen uns, doch alle waren wir angetan. Ich wusste aus meiner Jugend, dass es um Gut und Böse geht; wie Menschen dem Bösen verfallen und dann doch das Gute in ihnen noch spürbar ist (siehe den unvergesslichen Tod von Darth Vader). Besonders fasziniert hatten mich schon immer die Jedi-Ritter. In Meister Yoda sah ich, was mich am Mönchtum fasziniert: Weisheit und Leben aus der Einsamkeit. Nun bin ich selbst Mönch, zwar noch nicht recht weise und ohne Flammenschwert, lebe leider nur selten zurückgezogen, aber die Einsiedelei von Luke Skywalker im neuen Film am Rand der Galaxie hat gleich eigene Sehnsüchte in mir wach gerufen. Da hat man das Gefühl: Der wohnt in sich – und ist doch mit allem verbunden.

Zu uns gehört das Übersinnliche! Das macht Star Wars deutlich. Telepathie spielt in mehreren Szenen gerade dieser letzten Folge eine große Rolle. Und sogar die Teleportation wird (vielleicht allzu realistisch) dargestellt. Haben wir nicht auch von Heiligen verschiedener Epochen Berichte, dass sie an mehreren Orten zugleich erlebt wurden? Jedenfalls steckt eine echte Erfahrung dahinter, wenn es z.B. über Antonius von Padua heißt, verschiedene Menschen verstanden ihn in ihrer Sprache, und sogar die Tiere hörten ihm zu. Der Geist von Pfingsten übersteigt menschliche Grenzen! Bei Star Wars sind Menschen verschiedener Ethnien vereinigt, und tierähnliche Wesen gehören selbstverständlich zu ihrer Lebenswelt, ja selbst die Roboter werden menschlich gezeichnet. Warum sollten uns Maschinen nicht etwas bedeuten, wenn selbst in den Psalmen anscheinend tote Materie berufen ist, Gott zu loben? „Lobt den Herrn, Sonne und Mond, lobt ihn, ihr leuchtenden Sterne.“ (Ps 148,3) Jesus lässt sogar die Steine schreien (Lk 19,40).

Ich sage jetzt nicht, Star Wars wäre ein christlicher Film; solche Bezüge soll man lieber bei Tolkiens „Herr der Ringe“ oder C.S. Lewis‘ „Narnia“ herstellen, wie das derzeit einer meiner Schüler für die VWA voll Begeisterung macht. Aber von Religion spricht Star Wars ausdrücklich, und der Verbund der Jedi-Ritter mit ihren schwarzen Kapuzen und magischen Kräften wird „Orden“ genannt.

Das Böse scheint nun allmächtig geworden zu sein (vgl. Episode VII, „Das Erwachen der Macht“). Klar ist im Film, wer zur Seite der Dunkelheit gehört und wer zur Seite des Lichts. Die einen schauen finster und böse und leben in kalten Räumen nur für sich; die Kinder des Lichts sind humorvoll und fühlen mit den anderen mit, treten für sie ein, opfern sich für sie auf, sogar für jemanden, der der dunklen Macht verfallen ist. „Die letzten Jedi-Ritter“ heißt die neue Folge VIII, und ich entdeckte für mich Anklänge mit unserer Gegenwart, in der Kirche und Klöster auch dezimiert werden. Doch die Jedi-Kraft erstarkt, Luke Skywalker stirbt und lebt doch weiter, wie er verspricht. Meister Yoda ist ja auch schon länger tot und ihm erschienen. Die kleine Schar geht – wie durch unsichtbare Kräfte zusammengehalten – weiter und wird in einer fernen Zukunft einen Unterschied machen. Mit dieser Verheißung endet der Film. Wir werden in den nächsten Folgen sehen, wie es weiter geht.

Für jetzt bleibt von diesem Film vor allem die Botschaft von der Hoffnung zurück. Von ihr ist ausdrücklich mehrmals die Rede. Da sagt der Chef-Bösewicht auf seinem Thron: „Solange der Widerstand gegen uns noch eine Hoffnung hat, ist die Macht der ersten Ordnung noch nicht durchgesetzt.“ Und aus dem Widerstand kommt mehrmals der Satz: „Wir haben noch eine Hoffnung!“ Hoffnung in schwierigen Zeiten, in aussichtslosen Situationen. Einsatz von einzelnen – für andere. Auf mich kommt es an, meine Rolle kann mir niemand abnehmen. Doch da ist die Versuchung aufzugeben oder sich dem Bösen zu verschreiben.

In der deutschen „Tagespost“ vom 21. Dezember stellt Ingo Langner einen interessanten Vergleich zwischen Star Wars und Bibel an: „In dieser Saga rast man nicht nur mit Lichtgeschwindigkeit durchs All, dort kann auch der Wechsel von der guten zur dunklen Seite ‚der Macht‘ in einem Wimpernschlag geschehen. Dieses Muster ist uns aus der Bibel bekannt. In der Genesis braucht es nur eine Schlange und sechs Sätze bis zum Sündenfall des Menschen, und im Neuen Testament ist es ein auf die Wange gehauchter Kuss, mit dem Judas Jesus verrät.“

Heutige Romane und Filme helfen uns meiner Meinung nach, die Bibel als große Erzählung menschlicher Urthemen zu lesen und das Übersinnliche neu zu thematisieren. Wie bei Star Wars immer wieder eindrucksvoll zu sehen ist.