Ignatius meets Benedikt

_MG_4280Einzelexerzitien in Subiaco – ein Rückblick
Lectio – Meditatio – Oratio Kontemplatio. – Auf diesen Dreischritt der geistlichen Lesung (lectio divina) und auf Tage absoluten Schweigens ließ sich  eine Gruppe junger Erwachsener, unter ihnen auch sechs Priesterseminaristen der Erzdiözese Salzburg, im Rahmen von Schweigeexerzitien ein. Bei dieser Form von Exerzitien, die sich stark auf den Gründer des Jesuiten-Ordens, Ignatius von Loyola, anlehnte, hatte aber natürlich auch das typisch benediktinische „ora – labora – lege“ trotz _MG_4282Schweigens und vieler individueller Gebetszeiten seinen Platz. So erklärten sich die Teilnehmer wie selbstverständlich dazu bereit, im Haus Dienste wie etwa das Abwaschen oder das Tischdecken für die Mahlzeiten zu übernehmen, während das junge, neue Leitungsteam im Haus Subiaco hervorragend für die kulinarische Verpflegung der Exerzitienteilnehmer sorgte. Ebenso bestand die Möglichkeit, sich im weitläufigen Garten des „Subiaco“ – natürlich still – zu beschäftigen.

P. Bernhard veranstaltete im Haus Subiaco heuer wieder Einzelexerzitien für junge Erwachsene. In dieser Elfer-Gruppe aus jungen Männern und Frauen herrschte vom ersten bis zum letzten Moment dieser sechs Tage eine unglaublich angenehme Atmosphäre. Jeder der Teilnehmer legte eine außerordentliche Ernsthaftigkeit bei den jeweils persönlichen Gebetszeiten, der Schriftmeditation und der Selbstreflexion an den Tag, wie P. Bernhard in einer abschließenden Gesprächsrunde berichtete. Und das alles, ohne dass das Gemeinschaftserleben, der Spaß und das Lachen in diesen Tagen des Schweigens zu kurz gekommen wären. Besonders zeigte sich dieses Gemeinschaftsgefühl in zwei Situationen – zum einen, als Mitte der Woche einer der Teilnehmer seinen 30. Geburtstag feierte und Geschenke und eine große Torte überreicht bekam, und zum anderen, als am vorletzten Tag eine Teilnehmerin unerwartet kurz ins Krankenhaus musste.

Einmal mehr hat sich in diesen Tagen gezeigt, dass es nicht unbedingt viele Worte braucht, um Gemeinschaft untereinander (er-)lebbar zu machen, um als Gruppe binnen kurzer Zeit zusammenzuwachsen, besonders in dem Wissen, von Gott und dem Gebet getragen zu sein. Besonders eindrücklich hat das ein Exerzitien-BergsteigerTeilnehmer in der abschließenden Austauschrunde auf den Punkt gebracht, als er den Einzelnen mit einem Bergsteiger (s. Foto) und den Glauben bzw. die Christusbeziehung eines jeden Einzelnen mit einem schützenden Geländer vor dem Abgrund verglich – sinngemäß sei es wichtig, dass dieses „Geländer“ fest im Boden verschraubt ist, und diese Schrauben jenes „Glaubensgeländers“ immer wieder, eben etwa durch solche Exerzitien, gewartet und ggf. nachgezogen würden, „… dass es einem nicht so geht, wie das alte Bergsteigersprichwort sagt: ‚Rumpeldibumpel – weg ist der Kumpel‘ …“.

Gebe Gott, dass wir, jeder für sich, diese Schrauben der Verankerung im Glauben immer gut instandhalten mögen.

Fr. Philipp Wögerbauer OSB