Überblick behalten

IMG_20160229_081203Wieder einmal stapeln sich in meinem Arbeitszimmer die Berge: Vieles ist zu ordnen, abzuarbeiten, zu lesen. Ich mache nur das Notwendigste, das heißt für mich das Dringendste, also das, was ich eigentlich schon gestern oder vorgestern machen hätte sollen. Ich bewundere Menschen, die am Arbeit immer einen leeren Schreibtisch haben und e-mails relativ schnell erledigen, jedenfalls nichts aufstauen. Unser P. Franz ist ein solches Organisationsgenie.

Ich dagegen bin der kreative Chaos-Typ. Mir hat einmal jemand aus der Wirtschaft gesagt, es gäbe kein allgemeines Rezept, wie man sich organisieren soll. Es gibt Leute, die viel zustande bringen und ständig im Hintertreffen sind und Sachen aufschichten, um sie dann gelegentlich umzuschichten. Sie müssen sich mit ihrem Menschtyp einfach aussöhnen. Das ist der erste Tipp für heute.

Den zweiten Tipp habe ich von Br. David Steindl-Rast OSB. Er kämpft nämlich so wie ich damit, dass er zu viel zusagt, dann als Perfektionist alles möglichst gut erledigten will (nein: sehr gut erledigen muss!) und so ins Schleudern gerät. Naja, das war früher so. Jetzt wird er heuer 90 Jahre alt und löscht am Ende eines Jahres einfach die vielen e-mails, von denen er nur einen Teil beantworten konnte, ich glaube nicht einmal alle gelesen hat. Naja, er ist weltbekannt und kann es sich erlauben. Erst vor ein paar Tagen habe ich ihm geschrieben, und es kam eine automatische Antwort, die sagte, dass er derzeit die Mails nicht liest, weil er beim Schreiben ist. Ist auch eine Möglichkeit – nur nicht für alle praktikabel.

Der zweite Tipp, der Br. David jahrelang half, war nun: Nur einmal einen Zettel in die Hand nehmen. Das hilft wirklich! Post aufmachen und gleich erledigen oder wegschmeißen. E-mails nicht erst lesen und später einmal wieder hernehmen, sondern gleich löschen oder beantworten. Lieber gleich als perfekt und zu spät. So spart man sich viel Zeit und häuft weniger an.

Wem die beiden Tipps jetzt nicht geholfen haben, braucht unbedingt den Vortrag von Raphael Bonelli Ende dieser Woche: Der Wiener Psychiater spricht über den Perfektionismus, am Freitag (4. März) um 20:00 im Theatersaal für die älteren Semester und am Samstag bei Treffpunkt Benedikt um 17:00 im Wintersaal für die jungen Leute.