Abschluss des Jahres der Orden

Am 2. Februar 2016 endete das Jahr der Orden, das Papst Franziskus ausgerufen hatte. Zu diesem Anlass kamen viele Ordensleute nach Rom. Ein buntes Bild um das Zentrum der Weltkirche: vielfältige Formen und Farben der Kleidungen des gottgeweihten Lebens, junge und ältere Gesichter, Vertreter aus verschiedensten Ländern. Unter ihnen Abt Christian Haidinger, ursprünglich ein Kremsmünsterer, nun Vorsitzender der Österreichischen Superiorenkonfernz, d.h. er steht den Männerorden unseres Landes vor, und Sr. Beatrix Mayrhofer, die Präsidentin der Frauenorden Österreichs. Mit ihnen waren als Österreich-Vertreter zwei einfache Ordensleute gekommen – Sr. Ruth Pucher von den Missionarinnen Christi und ich.

Die ganze Stimmung dieser Tage im sonnigen Rom zeugte von Freude an der eigenen Berufung und internationalen Verbreitung. Dankbare Bescheidenheit war spürbar, kein Triumphalismus, aber auch keine depressive Stimmung unter den europäischen oder nordamerikanischen Ordensleuten, in deren Häusern nur wenige Junge den vielen Alten gegenüber stehen. Die Worte des Papstes zielten auf Umkehr und Entfachung der eigenen Charismen. Er warnte die Ordensgemeinschaften einmal mehr vor dem zersetzenden Gerade, dem schädlichen Geplauder, das eine miese Stimmung verbreitet und andere heruntermacht. Und er stellte einen originellen Vergleich an: die Aufnahme ungeeigneter Kandidaten wäre wie eine künstliche Befruchtung; der Ordensnachwuchs müsse aus sich selbst – organisch – kommen. Realistisch dann auch Kardinal Aziz, Chef der vatikanischen Kongregation für das gottgeweihte Leben, bei einer Messe für die Ordensoberen Europas: Wir müssten uns dem Geist Gottes neu anvertrauen, veraltete Strukturen abbauen (demolieren: devono essere demoliti!) und Papst Franziskus in seiner Schlichtheit folgen. Der Kardinal meinte, das Ineinander von Jahr der Orden und Heiligem Jahr der Barmherzigkeit wäre eine starke Botschaft: Die Orden blühen, wenn in ihnen die Barmherzigkeit großgeschrieben wird!

Wie sehr dem Papst die Barmherzigkeit ein Anliegen ist, erlebten wir dann bei der Generalaudienz. Wiederholt blickte Franziskus von seinem Manuskript auf und sprach eindringlich vom Erbarmen Gottes, von dem niemand ausgeschlossen sei. „Und wenn mich jemand fragt, was ist mit Judas und Pontius Pilatus? Ja, auch sie will Gott retten!“ Weil wir österreichischen Ordensleute in der „prima fila“, also der ersten Reihe gleich hinter den Bischöfen saßen, konnten wir sehen, wie der Papst konzentriert war und mit großer Liebe, aber auch tiefem Ernst die zehntausenden Menschen vor ihm anschaute. Und wie liebevoll er dann einzelne begrüßte, Kinder küsste und Behinderte umarmte.

Unser Papst lebt vor, was er predigt. Ganz frei sagte er bei der Generalaudienz zu den Priestern: „Wenn eine Tochter oder ein Sohn Gottes zu dir zur Beichte kommt, dann nimm sie barmherzig auf und zeige ihnen die Liebe des Vaters, in dessen Namen du sie von aller Schuld befreist.“ Ganz einfache Worte, die mich tief berührten. Mir hat in Rom eine österreichische Studentin gesagt, dass die Art und Weise, wie der Papst mit Menschen umgeht, wie er sie anschaut und anfasst, erahnen lässt, wie Jesus gewirkt hat. Das habe dann auch ich aus nächster Nähe erfahren dürfen.