Ökumene – eine Sache von gestern?

IMG_9355Wieder hatten wir die alle Jahre im Jänner ausgerufene Woche für die Einheit der Christen. Ist die Ökumene uns noch ein Anliegen? Ich bin ehrlich gesagt etwas besorgt, dass sie gerade bei manchen jungen Katholiken keine Rolle mehr spielt: entweder halten sie den eigenen Glauben ohnehin für obsolet und finden, dass zwischen katholisch und evangelisch eh kein Unterschied mehr ist; oder sie wollen so sehr katholisch sein, dass sie finden, die anderen können ja wieder zurückkehren, uns würde durch die Trennung nichts abgehen.

Beides ist ein großer Irrtum: Es gibt bleibende Unterschiede zwischen den Konfessionen, die nur durch große gemeinsame Anstrengungen überwunden werden können – und müssen. Und es ist ein Skandal, dass es von uns getrennte Christen gibt. Der Geist Gottes wirkt jedenfalls auch außerhalb der katholischen Kirche, weshalb alle Regungen des christlichen Glaubens für uns Bedeutung haben! Das ist gute kirchliche Lehre.

Vergangene Woche habe ich den früheren evangelischen Bischof von Würzburg-Ansbach, Christian Schmidt, in meinen sechsten Klassen zu Gast gehabt. Er verbringt jährlich mindestens eine Woche in unserem Kloster, seit über 30 Jahren. Ich wollte meinen Schülern vermitteln, dass und wie Evangelische glauben. Und dass uns viel mehr verbindet als trennt. Ehrlich gesagt kenne ich etliche evangelische Christen, denen ich mich religiös und theologisch näher fühle als so manchem katholischen Priester oder Theologen. Die Kontakte während meiner Doktorarbeit über den evangelischen Theologen George Lindbeck dauern gerade von protestantischer Seite her bis heute an; ohne den Glauben dieser Menschen – und ihrer Bekenntnisgemeinschaften! – wäre mein Glaube viel ärmer. Umgekehrt kommen immer wieder Evangelische in unser Kloster, die unsere Lebensweise sehr bereichernd für ihren Glauben finden – wie der erwähnte evangelische Bischof Christian Schmidt.