Ist da etwas verkehrt?- ein Impuls von P. Bernhard

_MG_1280Ist da etwas verkehrt?

Ich war mit den sechsten Klassen, die ich in Religion unterrichte, in der Agapitus-Hütte am Almsee (wo wir schon unsere Sommercamp vom Treffpunkt Benedikt aus hatten und über Christi Himmelfahrt 2016 wieder sein werden).

Zweimal zwei tolle Oktober-Tage am menschenleeren See. Jeden Tag feierte ich mit den Schülern die Eucharistie. In der Kapelle des Seehauses gibt es aber keinen Volksaltar. Für die meisten war es das erste Mal, eine Messe so zu erleben, wie sie für Jahrhunderte gefeiert wurde: Der Priester schaut mit dem Volk Gottes in eine Richtung.

IMG_0696_(800_x_600)Bei unseren üblichen Messfeiern steht der Priester am Altar den Menschen gegenüber. Das hat seinen guten Grund: Es wird der gemeinschaftliche Mahlcharakter der Eucharistiefeier deutlich, der Priester spricht die Worte „Das ist mein Leib“ in Jesu Namen (in persona Christi). Aber auch die alte Form hat ihren Sinn: der Priester bringt im Namen der Gläubigen Gebete und das Opfer vor Gott – und stellt sich damit auch mit den Menschen in eine Linie. Die neuere Liturgiewissenschaft betont zunehmend, dass beide Ausrichtungen ihre Berechtigung haben und zwei Aspekte der Eucharistiefeier deutlich machen, die wir zum vollen Verständnis brauchen.

Warum ich hier davon erzähle? Weil ich meine Schüler nachher gefragt habe, wie sie die Messe empfanden. Wir feierten sie, wie sonst auch, natürlich auf Deutsch, nach dem geltenden Ritus aus der Zeit nach dem Konzil; noch dazu mit modernen Liedern, begleitet auf der Gitarre. Aber eben bei den Gebeten, die an Gott Vater gerichtet sind, schauten alle in eine Richtung.

Ein Schüler sagte, ich wäre vor der Wand gestanden. Verständlich, wenn man den Altar und das schöne Altarbild aus weltlicher Perspektive ansieht. Dann sagten aber zwei Schülerinnen etwas, was ich interessant finde: „Sonst steht der Priester so im Mittelpunkt und spricht einen an, hier stand Gott mehr im Mittelpunkt.“ Und: „Ich habe mich besser konzentrieren können.“

Vielleicht ist es gut, dass in der Almsee-Kapelle nur ein Hochaltar steht, damit diese Dimension der Liturgie in Erinnerung bleibt.